Geschichte der deutschsprachigen evangelischen Einrichtungen in Jerusalem
1841: England und Preußen gründen das gemeinsame Bistum in Jerusalem, Michael Salomon Alexander wird zum ersten Bischof ernannt. Es entstehen erste Formen deutschsprachiger evangelischer Gemeindearbeit.
1846: Samuel Gobat wird zum neuen Bischof in Jerusalem berufen, erhält seinen Sitz an der 1849 eingeweihten "Christ Church". Bis 1872 gründet Gobat – über das ganze Land verteilt – 25 Schulen, die von rund 1000 Schülern besucht werden.
1850: Offizielle Anerkennung der Protestanten im Osmanischen Reich.
1851: Entsendung der ersten Kaiserswerther Diakonissen nach Jerusalem. Gründung der Talitha-Kumi-Schule.
1852: Gründung des Jerusalemsvereins in Berlin. Entsendung des ersten deutschen Pfarrers nach Jerusalem.
1860: Gründung des Syrischen Waisenhauses durch Johann Ludwig Schneller.
1869: Das Gelände am Muristan in der Altstadt Jerusalems geht durch das Engagement Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußens in den Besitz Preußens über.
1871: Abschluss der Wiederherstellung der "Kreuzfahrerkapelle" im Kreuzgang der heutigen Propstei. Da der Johanniterorden auf dem Gelände am Muristan von 1064 bis 1187 ein Pilger- und Krankenhospiz unterhalten hat, wird die Kapelle heute "Johanniterkapelle" genannt.
1880: Joseph Barclay wird zum dritten Bischof des anglo-preußischen Bistums berufen.
1886: Auflösung des anglo-preußischen Bistums. Die anglikanische und deutsche Gemeinden entwickeln sich getrennt weiter. Bis heute gibt es ein anglikanisches Bistum in Jerusalem. Die deutschen Anteile am ehemaligen gemeinsamen Bistum fließen in die neu gegründete "Evangelische Jerusalemstiftung", die sich fortan um die Entstehung von Erlöserkirche und Propstei bemüht.
31. Oktober 1893: Grundsteinlegung der Erlöserkirche am Muristan
31. Oktober 1898: Einweihung der Erlöserkirche durch Kaiser Wilhelm II. und Ehefrau Auguste Victoria. Der Pfarrer an der Erlöserkirche erhält als geistliches Oberhaupt der deutschsprachigen evangelischen Einrichtungen im Heiligen Land den Titel "Propst".
1900: Aufteilung der deutschen evangelischen Gemeinde Jerusalem in die Pfarrbezirke "Stadt" und "Syrisches Waisenhaus".
1900: Gründung des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI). Als erster Direktor wird Gustaf Dalman bestimmt, damals Professor für Altes Testament und Judaistik an der Universität Leipzig, der am 12. November 1902 in Jerusalem eintrifft.
1903:
Bezug des Pfarrhauses (alte Propstei) in der Neustadt Jerusalems.
1905: Grundsteinlegung des
Muristan-Hospizes (seit 1948: neue Propstei) neben der Erlöserkirche in
der Altstadt.
31. März 1907: Grundsteinlegung der Kaiserin Auguste Victoria-Stiftung und der Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg.
10. April 1910: Einweihung der Kaiserin Auguste Victoria-Stiftung und der Himmelfahrtkirche.
1917: Besetzung Palästinas durch die Briten und Beschlagnahme der deutschen Einrichtungen. Die Briten nutzen das Auguste Victoria-Gelände als Sitz ihrer Mandatsregierung.
1927: Ein starkes Erdbeben zerstört vor allem Teile der Gebäude auf dem Auguste Victoria-Gelände.
1937: Das Gelände auf dem Ölberg wird durch Kaiserswerther Schwestern von einem Erholungshospiz in ein Krankenhaus umgewandelt.
1939-1945: Während des Zweiten Weltkrieges werden die deutschen Einrichtungen in Palästina geschlossen und unter die Aufsicht des britischen Feindgutverwalters gestellt. Die in Palästina verbliebenen Deutschen werden bis 1948 in den deutschen Kolonien von Haifa und Waldheim interniert. Das Auguste Victoria-Krankenhaus auf dem Ölberg wird zum britischen Militärlazarett umgewandelt.
1946: Dr. Edwin Moll kommt als Vertreter der United Lutheran Churches of America nach Palästina, um die arabischen evangelischen Gemeinden zu reorganisieren und sich um die deutschen evangelischen Einrichtungen zu kümmern.
1948: Gründung des Staates Israel. Die deutschen evangelischen Einrichtungen werden unter die Treuhänderschaft des 1947 gegründeten Lutherischen Weltbundes gestellt. Das Auguste Victoria-Krankenhaus wird zwischenzeitig vom Roten Kreuz betrieben. Das ehemalige Muristan-Hospiz neben der Erlöserkirche wird zum Zentrum der evangelisch-lutherischen Arbeit in Jerusalem: Hier, in der nun "neuen Propstei" haben in der Nachkriegszeit sowohl der Propst als auch der Vertreter der amerikanischen Lutheraner (und später des Lutherischen Weltbundes) ihren Wohn- und Dienstsitz.
1950: Die Erlöserkirche im jordanischen Ostteil Jerusalems wird wiedereröffnet, Gottesdienste werden wieder gefeiert.
Das Auguste Victoria-Krankenhaus wird vom Lutherischen Weltbund gemeinsam mit der United Nations Relief and Works Agency (UNRWA) als Krankenhaus für palästinensische Flüchtlinge wiedereröffnet und bleibt bis heute unter der Treuhänderschaft des Lutherischen Weltbundes.
Die Talitha-Kumi-Schule wird in Beit Jala neu eröffnet.
1952:
Die im israelischen Westteil Jerusalems gelegenen deutschen
evangelischen Einrichtungen (wie das Syrische Waisenhaus, das
Kaiserswerther Diakoniekrankenhaus, die alte Propstei und das alte
Talitha Kumi) gehen im Rahmen des deutsch-israelischen
"Wiedergutmachungsabkommens" in den Besitz des Staates Israel über.
1953: Wiederaufnahme der Arbeit
des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des
Heiligen Landes mit dem ersten Lehrkurs nach dem Zweiten Weltkrieg.
1957: Die "Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien" (ELCJ) wird gegründet. Formal von der deutschsprachigen Gemeinde unabhängig, verbleibt sie jedoch bis 1979 unter der geistlichen Leitung des Propstes.
1959: Offizielle Anerkennung der ELCJ durch den jordanischen Staat.
1964: Einweihung der Martin Luther Schule am Muristan.
Gründung des "Gästehauses des Propstes" im ehemaligen Johanniter-Augenhospital in der Altstadt.
1967: Sechstagekrieg. Ostjerusalem mit der Altstadt wird von Israel erobert. Dadurch gerät auch der Westteil der Stadt wieder in den Blick deutschsprachiger evangelischer Gemeindearbeit: Aufbau verschiedener deutsch-israelischer und jüdisch-christlicher Dialogbeziehungen.
1970-1974: Ausgrabungen
unter der Erlöserkirche und umfangreiche Renovierung der Kirche.
1975: Gründung der Zweigstelle
des DEI in Amman / Jordanien.
1979:
Amtsantritt des ersten arabisch-lutherischen Bischofs, Daud Haddad. Die
ELCJ wird damit rechtlich vollkommen unabhängig vom deutschen Propst.
1982: Das Jerusalemer Institut
des DEI bezieht sein neues Haus auf dem Gelände der
Kaiserin-Auguste-Victoria-Stiftung auf dem Ölberg.
1996: Renovierung der Muristankapelle und des Kreuzgangs an der Erlöserkirche.
1998:
Feiern zum 100jährigen Jubiläum der Einweihung der evangelischen
Erlöserkirche in Jerusalem.
2000: Feiern zum 100jährigen
Jubiläum der Gründung des DEI.
2002:
Vertrag zwischen der Kaiserin Auguste Victoria-Stiftung, der EKD und
dem Lutherischen Weltbund über die treuhänderische Verwaltung der
Grundstücke auf dem Ölberg.
2005: Die Institutseinrichtungen
des DEI in Jerusalem und Amman schließen sich wieder zu einem Institut
zusammen, welches "zugleich Forschungsstelle des Deutschen
Archäologischen Instituts" wird.
2007: Vertrag zwischen der ELCJHL, der Kaiserin Auguste Victoria-Stiftung und dem Lutherischen Weltbund über ein gemeinsames Wohnungsprojekt für christliche Palästinenser auf dem Ölberg.
Erster Besuch des gesamten Rates der EKD in Jerusalem: Feiern zum 100jährigen Jubiläum der Grundsteinlegung des Auguste Victoria-Zentrums und Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages zwischen der EKD und der ELCJHL.
1898: Pastor Paul Hoppe, seit 1895 in Jerusalem, wird erster Propst
1903-1910: Propst Wilhelm Bußmann
1910-1914: Propst Dr. Friedrich Jeremias (offiziell bis 1921)
1921-1923: Propst Prof. D. Albrecht Alt
1924-1930: Propst Hans Wilhelm Herzberg
1930-1938: Propst Ernst Rhein
1938-1945: Propst Dr. Johannes Döring
1954-1960: Propst Joachim Weigelt
1960-1965: Propst Carl Malsch
1965-1971: Propst Hansgeorg Köhler
1971-1979: Propst Helmut Glatte
1979-1985: Propst Jürgen Wehrmann
1985-1991: Propst Dr. Johannes Friedrich
1991-2001: Propst Karl-Heinz Ronecker
2001-2005: Propst Martin Reyer
Seit Mai 2006: Propst Dr. Uwe Gräbe