Pilger
24.09.2018

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Bildungsarbeit und Seminarangebot

Das Evangelische Pilger- und Begegnungszentrum bietet mehrstündige Seminar- und Studieneinheiten an, die in Israel-/Palästinareisen integriert werden können.
Die Kombination von Exkursionen, Vorträgen und Begegnungen im Heiligen Land ist zum einen ein Angebot zur Vertiefung des eigenen Glaubens. Zum anderen dient das Programm der Weiterbildung auf dem Gebiet ökumenischer und interreligiöser Fragen.

Konkret könnte das so aussehen: Die Reisegruppe überlegt sich ein Thema, in das sie tiefer einsteigen möchte. Dafür hält sie sich in ihrem Reiseprogramm einige Zeit frei. In Absprache mit der Gruppe werden diese Tage vom Begegnungszentrum gestaltet und durchgeführt.

Die folgenden Seminarangebote sind als Vorschläge zu verstehen, die zeigen sollen, wie eine solche Studieneinheit aussehen kann. Es ist durchaus möglich, die Einheiten den spezifischen Wünschen einer Gruppe anzupassen.

Bei Interesse zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren:
gabriele.zander@avzentrum.de


Themenschwerpunkt Islam



A.) Orient und Okzident: Zeichensprache im Alltag

Immer wieder ist der Umgang deutscher Touristen mit Muslimen von Unsicherheit geprägt. An diesem Studientag sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Verhaltenskodexen entdeckt und kennengelernt werden.

Seminarelemente:
- 1x1 der arabischen Sprache: Begrüßungsformeln, Dank- und Grußverhalten
- Islamische Namen
- Zu Gast bei Muslimen
- Unterschiedliche Realitätsansichten
- Gesten und Körperhaltung
- Islamische Kleidung
- „Handeln in der Altstadt“ und „Rabattgesetz in Deutschland“: Unterschiede und Gemeinsamkeiten beim Einkaufen
- Die Bedeutung der Familie
- Die Stellung der Frau


B.) Islamische Feste und Jahreszeiten

Anders als das Judentum und das Christentum wird der Islam z. T. als festlose Religion bezeichnet. Dass diese Einschätzung nicht ganz richtig ist, soll im Seminar gezeigt werden. In einem zweiten Schritt wird über die Bedeutungen und kulturellen Besonderheiten der Feste informiert.

Seminarelemente:
- Das islamische Zeitverständnis: Jahre, Monate und Tage im islamischen Jahr
- Der erste Monat Muharram und das Aschura-Fest
- Der Unglücksmonat Safar
- Der Monat Rabi al-awwal und der Geburtstag des Propheten
- Radschab, der Monat der Himmelsreise des Propheten
- Der Fastenmonat Ramadan, die Nacht der Nächte und das Fest des Fastenbrechens
- Dhu l-hidschdscha, der Monat der Pilgerfahrt und des Opferfestes


Themenschwerpunkt Judentum



A.) Weißer Kaftan und schwarzer Anzug: Orthodoxe Juden in Jerusalem

Aus dem Stadtbild Jerusalems sind die orthodoxen Juden nicht wegzudenken. Durch die große Zahl amerikanischer und russischer Zuwanderer sowie hohe Geburtenraten steigt ihr Anteil und Einfluss in der Stadt zunehmend. In dem Seminar soll der Frage nachgegangen werden, wie die ursprünglichen Stedtljuden ihr Leben in Israel führen und die Ausrichtung der Zivilgesellschaft beeinflussen.

Seminarelemente:
- Strömungen im orthodoxen/ultraorthodoxen Judentum (Aufspaltung der Charedim in Chassiden und Mitnagdim)
- Zwischen Jiddisch und Modekatalog des 16. Jh.: Jüdische Wurzeln in Osteuropa
- Politische Haltung zum Staat Israel/Palästina


Seit wann tragen Frauen Kippa? Das Reformjudentum: Jüdisch sein im Alltag der Welt

Während das Reformjudentum in den Vereinigten Staaten unter den jüdischen Gemeinden den Ton angibt, haben Reformgemeinden in Israel einen schweren Stand. So werden z. B. Hochzeiten oder Konvertiten einer liberalen ausländischen Gemeinde vom israelischen Oberrabbinat meist anerkannt, nicht jedoch der hiesigen Reformgemeinde. Andererseits bildet das Hebrew Union College in Jerusalem nicht nur Rabbiner, sondern auch Rabbinerinnen aus.

Seminarelemente:
- Informationen über die Wurzeln des Reformjudentums im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts
- Bedeutung der Zugehörigkeit zum liberalen Judentum
- Diskussion: Gemeinsamkeiten einer liberalen jüdischen mit einer protestantischen Gemeinde
- Besuch einer Reformgemeinde in Jerusalem oder Haifa
- Besuch des Hebrew Union College mit Treffen eines Vertreters/College-Angehörigen


C.) Hag Sameach - Frohes Fest: Geschichte und Bräuche jüdischer Feste


Der Herbst ist eine gute Reisezeit für Israelbesucher. In die Monate September und Oktober fallen meist Rosch ha-Shana, Yom Kippur und Sukkot, so dass sich gerade für diesen Zeitraum ein Studium der oben genannten Feste anbietet. Im Frühjahr lassen sich Purim und Pessach studieren.

Seminarelemente:
- Studium der biblischen Quellentexte zu den Festen
- Übersicht über die heutigen Bräuche in jüdischen Gemeinden
- Vergleich mit den christlichen Festen unter der Fragestellung: Was ist aus den jüdischen Festen im Christentum geworden? Können wir miteinander feiern?


Themenschwerpunkt Christentum



A.) Deutsche evangelische Christen im Heiligen Land

Gleich zwei pompöse wilhelminische Kirchen finden sich in der Skyline Jerusalems: Die Erlöserkirche und die Himmelfahrtkirche. Neben diesen beiden finden sich noch zahlreiche andere Kirchen, Institutionen und Einrichtungen in Jerusalem und dem Heiligen Land, die auf deutsche evangelische Initiativen zurückgehen.

Seminarelemente:
- Einführung in die Geschichte der deutschen Missionars-, Forschungs- und Lehrtätigkeiten im Heiligen Land
- Besichtigung der o.g. Kirchen und Einrichtungen (insbesondere Himmelfahrtkirche, Archäologisches Institut und die lutherische Schule Talitha Kumi)
- Thematisierung der gegenwärtigen Situation und Zukunft verschiedener evangelischer Einrichtungen


B.) Christen im islamischen Kontext - Konfrontation oder Dialog?

Die Zahl der Christen in Jerusalem sinkt ständig, während der Prozentsatz der jüdischen und muslimischen Bevölkerung weiter steigt. Besonders die pa-lästinensischen Christen geraten dabei im politischen Konflikt zwischen die „Fronten“, die sie zu marginalisieren drohen. Im Seminar sollen die Teilnehmenden die verschiedenen orientalischen Kirchen und die Problemfelder kennenlernen. Über das Für und Wider der unterschiedlichen Lösungswege soll diskutiert werden.

Seminarelemente:
- Die Zukunft der orientalischen Christen
- Vorstellung der verschiedenen orientalischen Kirchen
- Dialog und Distanz: Der Umgang mit Muslimen und Juden


C.) Christentum und Islam - ein theologischer Vergleich

In Deutschland findet zunehmend ein Austausch zwischen Muslimen und Christen statt. Doch während sich das Christentum in Deutschland in einer Mehrheitsposition findet, ist es in Palästina genau umgekehrt. In dieser Studieneinheit soll über Möglichkeiten des Dialogs gesprochen und an zentralen theologischen Themen, die beiden Religionen gemeinsam sind, gearbeitet werden.

Seminarelemente:
- Das Problem der Offenbarung
- Das Menschenbild
- Bibel und Koran:
Josef und Abraham
Jesus in Bibel und Koran
- Das Glaubensbekenntnis
- Ethische Grundwerte und religiöse Praxis: Gemeinsamkeiten und Konfliktfelder


Themenschwerpunkt Trialog



A.) Wann wird er wiederkommen? Messianische Erwartungen

Jerusalem gilt als Stadt der letzten Tage, in die der Messias dereinst zurückkehren wird, um den Erdkreis zu richten. Im Seminar werden zunächst die Endzeitvorstellungen im Judentum, Christentum und Islam erläutert. In einem zweiten Schritt sollen messianische Bewegungen im Judentum und Christentum vorgestellt werden, die mit einer Wiederkehr des Messias in unseren Tagen rechnen.

Seminarelemente:
- Das goldene Tor als Ort des letzten Gerichtes in Judentum, Christentum und Islam
- Die Rolle Jesu bzw. Issas im letzten Gericht
- Apokalyptische Vorstellungen in den drei Religionen
- Messianische Bewegungen: Die Lubawitscher und die Kirche King of Kings


B.) Wer würde nicht gerne ein Ticket dafür haben? Himmelfahrten in den monotheistischen Religionen

In allen drei Religionen Judentum, Christentum und Islam wird immer wieder von Himmelfahrten berichtet, die besonderen Menschen zuteil werden. Im Seminar soll anhand von Textarbeit und Ortsbesichtigungen auf diese Traditionen eingegangen werden.

Seminarelemente:
- Henoch und Elia: Himmelfahrten im Tenach
- Jesu Ascensio und Mariens Assumptio in der christlichen Tradition
- Die Himmelsreise Mohammeds im Koran
- Mythische Berichte von Himmelfahrten: Moses, Jesaja etc.
- Besichtigung des Felsendoms und der verschiedenen Himmelfahrtkirchen


C.) Versteht Ihr nicht? Chancen und Probleme des interreligiösen Trialogs

Jerusalem nicht irgendeine beliebige Stadt. Niirgendwo leben Christen, Juden und Muslime auf so dichtem Raum zusammen wie in Jerusalem. Was also, wenn es hier gelänge, ein überzeugendes Trialogmodell zu finden? Das wäre wohl der Traum vieler, die sich einmal intensiver oder nur am Rande mit diesem Thema beschäftigt haben. Die Realität vor Ort holt jedoch schnell jede Besucherin und jeden, der hier lebt, wieder ein. Und die Frage wird umgekehrt gestellt: Fällt es Euch da drüben in Europa nicht viel leichter Trialog zu führen, weil ihr unter besseren politischen Bedingungen lebt? Könnt Ihr nicht Zeichen setzen, die uns Hoffnung geben?

Seminarelemente:
- Erarbeitung einer eigenen Position
- Diskussion der Mindestforderungen, die von allen Trialogpartnern erfüllt werden müssen, um ein gemeinsames Gespräch zu ermöglichen
- Diskussion mit Vertretern der drei Religionen
- Vorstellung bereits bestehender Initiativen zum Trialog: Israel Interfaith Association, Ecumenical Fraternity und die Arbeit von Daniel Rossing